Montag, 26. Mai 2008

Onair und Online

Also da gibts jetzt eine Reportageserie im Internet und im Radio auf FM4 von der Veronika Weidinger, und die schaut wirklich toll aus. Also, reinschaun und reinhoeren:

http://fm4.orf.at/connected/222724/main

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Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, wir waren in Syrien und auf dem Weg in den Golan.
Die Route im Golan hat mir eigentlich am Besten gefallen, jetzt vor allem landschaftlich gesprochen. Diese flache, steinige fast weisse Hochebene, in der Ferne die Berge (auf dem Hoechsten, dem Mount Herman da sitzen die oesterreichischen UN Soldaten schon seit fast 40 Jahren drauf), der blaue Himmel, die Schafhierten mit ihren Herden, die leichte Brise im Gesicht...ja, das hab ich wirklich genossen.

Schafhierte im Golan

Aber gleichzeitig schwingt da ein mulmiges Gefuehl mit, denn wir befanden uns ja in einer von der UN abgeriegelten Sperrzone, wo man ohne Bescheid gar nicht reinkommt. Der Golan ist heiss umkaempftes Gebiet. Die Israelis haben den Golan im 6-Tageskrieg 1967 besetzt und 1981 gegen das Voelkerrecht annektiert. Die Menschen, die in den besetzten Gebieten leben, haben keinen Pass und koennen den Golan nicht verlassen. Die einzige Moeglichkeit dort raus zu kommen ist, einen\eine SyrerIn zu heiraten (siehe Film: Die syrische Braut) oder zu studieren. Nach dem Studium muessen sich die StudentInnen entscheiden, ob sie niemehr in ihre Heimat und somit zu ihrer Familie, oder fuer immer dorthin zurueck kehren. Frueher, als es noch keine Handys gab, konnten die Menschen auf den beiden Seiten kaum miteinander kommunizieren. Sie taten dies, indem sie sich von der einen Seite, von einem Berg aus zur gegenueberliegenden mit Megaphonen zuriefen. Dieser Ort wird Shouting Hill genannt. Wir waren auch da und ich wurde dort sehr, sehr traurig. Man erwartete uns auch am Shouting Hill wie immer, nur diesmal waren die Menschen auf der anderen Seite, auf der besetzten. Wir sahen sie nur von Weitem und hoerten ihre Reden im Echo der Berge. Zwischen uns: Mit Starkstrom geladener Zaun, rundherum und darauf Stacheldraht. Zwischen Stacheldraht und Zaun ist ein feiner Sandweg, der taeglich von den Israelis geglaettet wird - damit man die Fussspuren sehen kann, sollte es jemand unbemerkt ueber den Zaun schaffen...
Wie kann es sowas bitte in unserer Zeit noch geben? Ich habe den Schmerz dieser eingesperrten Menschen richtig spueren koennen. Viele Familien wurden durch diesen Zaun voneinander getrennt und haben sich seither nicht mehr wiedergesehen. Auf dem Foto seht ihr hinten rechts, ganz klein eine syrische Flagge. Das ist unser Empfangskommitee.

Shouting Hills. Siehe Film: Die syrische Braut

Vor den Shouting Hills waren wir in Quneitra. Das ist eine Ruinenstadt die in der von der UN bewachten Sicherheitszone liegt. Die Stadt wurde im allerwahrsten Sinne des Wortes dem Erdboden gleich gemacht . Platt, leer, zerbomt im Krieg von Israel. Das ehemalige Krankenhaus: vollkommen durchloechert, rundherum hohes Gras und Mohnblumen. Wundrschoen aber toedlich, denn dort ist alles vermient.

Ich sprach mit einem oesterreichischen UN-Soldaten und erklaerte ihm, was wir Frauen hier auf unseren Raedern wollen (weil er gar so ueberrascht dreingeschaut hat). Er meinte: "Wenn ihr den Frieden fordern wollt, dann seid ihr aber auf der falschen Seite"
Der Golan ist fuer Isreal enorm wichtig (einmal abgesehen von der zionistischen Ideologie, die ganz Palestina fuer sich allein und ohne ethnische Mischung beansprucht): Erstens haben sie somit das ganze Wasser, das dort entspringt (und die rundherum liegenden Laender austrocknen laesst) und zweitens hoeren sie mit ihren Abhoergeraeten bis in den Irak rueber, von dort Oben aus.Dies . Diese Woche haben Syrien und Isreal das erste Mal oeffentlich bestaetigt, dass sie Friedensverhandlungen fuehren, mit Vermittlung der Turkei. Das ist ein guter Anfang, aber viel erhoffen tu ich mir davon ehrlich gesagt nicht...

Auf dem Golan, oesterreichischer UNO Checkpoint

So, und ich hoffe, es kommt mir jetzt niemand damit, dass ich antisemitisch bin. Das hat damit naemlich ganz und gar nichts zu tun. Ich moechte hier frei sagen, was ich gesehen und erlebt habe und ich moechte mich nicht selbst zensieren, wie es so oft in unseren Medien geschieht. Hier werden ganz eindeutig Menschenrechte verletzt und zwar im aergsten erdenklichen Ausmass: Das wird im Fall auch immer wieder von der UNO bestaetigt;

So, das wars ueber den Golan. Einer unheimlich schoenen Gegend, die einen sehr traurig macht.

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